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GEORG ROCH

Warum die Teamgröße bei uns als KPI ausgedient hat - und was KI an ihre Stelle setzt

Ich habe fast zehn Jahre lang eine ziemlich einfache Zahl mit unternehmerischem Erfolg verwechselt: Mitarbeiter.

Ich habe fast zehn Jahre lang eine ziemlich einfache Zahl mit unternehmerischem Erfolg verwechselt: Mitarbeiter.

Wenn mich jemand gefragt hat: „Wie viele seid ihr denn?“, hab’ ich die Zahl immer mit ein bisschen Stolz gesagt.

10 war gut.

12 war besser.

15 fühlte sich nach Erfolg an.

In Unterhaltungen auf Netzwerkveranstaltungen, im Austausch mit anderen und dann sogar in Kundengesprächen:

„Wie viele seid ihr denn?“

Zu “Top-Zeiten” waren wir 15 im Team. Auch 12 oder 10 Mitarbeitende habe ich mit Stolz kommuniziert, weil es unser Wachstum, unseren Erfolg und unsere Größe manifestiert hat. (Dachte ich zumindest.)

Und die Frage ist auch noch nicht aus den Gesprächen raus. Sie kommt regelmäßig.

Wie ich darüber denke, hat sich jetzt aber vor allem durch den KI-Shift verändert.

Anfang des Jahres, ich meine, es war Februar, hat ein französischer Typ ein Projekt veröffentlicht, das KI-Agenten-basiert andere Unternehmen managt. Und für ihn selbst hat es seine Funding-Runde betreut und 30 Millionen eingespielt.

Ben Cera heißt er. Er macht großartigen Founder-Led-Marketing-Content, zum Beispiel auf YouTube. Was man da beobachtet, ist, dass er sein Unternehmen auf hunderttausende Dollar Umsatz bringt, Tausende Kunden managt, Millionen Dollar einfährt und alleine vor seinem Computer sitzt.

Das trage ich jetzt seit Monaten mit mir herum und grübele immer mehr darüber, warum mein Glaube an Erfolg so stark an der Mitarbeiteranzahl hing.

Er arbeitet selbstverständlich nicht völlig allein.

Für Themen, bei denen er Hilfe braucht, holt er sich Unterstützung.

Berater. Agenturen. Andere Founder.

Aber allein schon der Unterschied, spezialisierte Personen temporär in ein Projekt einzubinden, ohne den ganzen People-Management-Overhead, finde ich, um ehrlich zu sein, ganz schön attraktiv.

Denn zu den Top-Zeiten, als unser Team nicht aus 8, sondern 15 Personen bestand, war die monatliche Abrechnung überhaupt nicht lustig. Meine persönlichen Aufgaben waren überwiegend nur noch People Management. Meine individuelle Weiterentwicklung war völlig hinten angestellt.

Prozesse disruptiv zu betrachten, Themen neu zu denken, war schwieriger denn je. Allein schon neue Workflows einzuführen, also SOPs, und dann nachfassen zu müssen, ob sich daran gehalten wird, ist wirklich eine meiner unliebsten Aufgaben.

Und damit habe ich angefangen, diese Gleichung ein bisschen mehr infrage zu stellen:

Mehr Mitarbeitende = mehr Erfolg.

Heute finde ich das Gegenmodell mehr als nachdenkenswert.

Eine sehr kleine Kernorganisation. KI-Agenten für Dinge, die sich automatisieren oder delegieren lassen. Spezialisierte Menschen temporär für Dinge dazuholen, bei denen man sie wirklich braucht. Und deutlich weniger permanente Organisations- und People-Management-Struktur.

Es gibt ja bekanntermaßen die Wette der Big-Tech-CEOs, ab wann es eine Ein-Personen-Billion-Dollar-Company geben wird.

Aber auch eine Ein-Personen-Million-Dollar-Company ist schon verdammt cool.

Das Interessante daran ist gar nicht unbedingt, ob am Ende wirklich exakt eine Person im Unternehmen arbeitet, don’t get me wrong - Teams leisten in der richtigen Konstellation klar mehr.

Es geht eher darum, dass wir gerade zum ersten Mal komplett neu darüber nachdenken können, was ein Unternehmen eigentlich gut macht.

Wie viele Menschen arbeiten dort?

Wie viel Umsatz macht es?

Wie profitabel ist es?

Wie viel kann es leisten?

Wie viel Freiheit gibt es einem?

Wie viel Zeit verbringt man als Unternehmer mit den Dingen, die man eigentlich machen möchte?

Wir sind gerade in einer sehr besonderen Zeit, weil wir diese Fragen neu beantworten können.

Und vielleicht auch neu beantworten müssen.

Denn wenn die Fähigkeit eines Unternehmens nicht mehr zwangsläufig proportional zur Anzahl seiner Mitarbeitenden wächst, dann müssen wir vielleicht auch unsere Definition davon überdenken, wie Erfolg eigentlich aussieht.

Zumindest meine verändert sich gerade.

Hier sind ein paar Videos, die ich dazu empfehlen kann und die meine Gedankenwelt in diese Richtung in den letzten Monaten noch mal weitergetragen haben.

Ben Cera “My AI Raised 30m”: https://www.youtube.com/watch?v=KIydmNE7Fxs&t=18s

Alexander Wang “This is a once in a civilization opportunity”: https://youtu.be/sJ4VJWycX9M?si=-2W9P-koBWSuSe0k

Geschrieben von Georg Roch.

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